Kirchliche Blätter

von Stefan Bichler

Die Kirchlichen Blätter sind die monatlich erscheinende Publikation der Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Rumänien (i. F.: EKR). Sie werden im siebenbürgischen Hermannstadt (rum. Sibiu, ung. Nagyszeben) herausgegeben. Die Redaktion befindet sich im landeskirchlichen Bischofspalais. Herausgeber ist das Landeskonsistorium der EKR. Mit ihrer über 120-jährigen Geschichte sind die Kirchlichen Blätter das älteste bis zum heutigen Tag in deutscher Sprache erscheinende Periodikum in Siebenbürgen beziehungsweise in Rumänien.

Geschichte

Die ersten Überlegungen zur Gründung einer „Schul- und Kirchenzeitung für die Siebenbürger Sachsen“ wurden bereits 1843 von dem Pfarrer, Schulreformer und 1848er-Revolutionär Stephan Ludwig Roth angestellt. Eine dauerhaft etablierte Zeitschrift konnte jedoch erst ein halbes Jahrhundert danach ins Leben gerufen werden: Die Kirchlichen Blätter wurden 1897, während der Amtszeit des Bischofs Friedrich Müller des Älteren, unter dem Namen „Kirchliche Blätter aus der ev. Landeskirche A. B. in den siebenb. Landesteilen Ungarns. Evang. Wochenschrift für die Glaubensgenossen aller Stände“ als Wochenzeitung gegründet. Der Preis für ein Halbjahresabonnement belief sich damals auf 1,50 Gulden. Erster Schriftleiter der Zeitung war Josef Josephi.

1909 wurde die Zeitschrift in einen „amtlichen“ und einen „nichtamtlichen“ Teil gegliedert. Eine Neuzählung der Ausgaben wurde eingeführt, und die Kirchlichen Blätter erschienen durchgehend bis August 1944. In der Zwischenkriegszeit war die Zeitung unter anderem durch die Schriften des Arztes Heinrich Siegmund geprägt, der mit dem Evangelischen Fürsorger eine Beilage zu den Kirchlichen Blättern schuf, in der er seine gesundheits- und sozialpolitischen Überlegungen veröffentlichte.

Die unmittelbare Nachkriegszeit – die Periode der schrittweisen Machtübernahme durch die kommunistische Partei und der Etablierung des totalitären Regimes – brachte nicht nur eine Reihe von Enteignungen kirchlicher Immobilien, sondern auch umfassende rechtliche Einschränkungen und die Auflösung sämtlicher kirchlichen Vereine. Von August 1944 bis Juni 1946 wurde das Erscheinen der Kirchlichen Blätter vorerst unterbrochen. Ab 1948 durfte die Zeitschrift dann für die Dauer von 25 Jahren nicht mehr erscheinen. Erst während der Amtszeit von Bischof Albert Klein gelang es, ab 1973 die Kirchlichen Blätter wieder zu veröffentlichen.

Den Zeitungskopf schmückten über viele Jahre hindurch stilisierte Darstellungen der Kirchenburg von Birthälm (rum. Biertan, ung. Berethalom), eines Bauwerkes aus dem 14./15. Jahrhundert, das 1993 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. In der Ortschaft Birthälm befand sich fast dreihundert Jahre lang der Sitz der Sachsenbischöfe.

Seit 2008 existieren die Kirchlichen Blätter auch in elektronischem Format. Im Jahr 2013 wurde beschlossen, das Amtsblatt der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien, die Landeskirchlichen Informationen (i.F.: LKI), als Beilage zu den Kirchlichen Blättern zu veröffentlichen. Chefredakteur der LKI war ab deren Gründung der Pfarrer und Schriftsteller Eginald Schlattner.

Die Onlinepräsenz der Kirchlichen Blätter ist derzeit (2019) an den Nachrichtenteil der landeskirchlichen Webseite gekoppelt, wo ein Großteil der Texte erscheinen, die auch in der Printausgabe zu lesen sind.

Inhalte

Die redaktionellen Beiträge der Kirchlichen Blätter richten sich vor allem an die Gemeindeglieder der EKR, also an evangelisch-lutherische, deutschsprachige Christen in Rumänien, sowie an eine kleinere Stammleserschaft im Ausland. Auch die multiethnische und multikonfessionelle Gesellschaftsstruktur Siebenbürgens prägt die Zeitschrift. Fragen der Ökumene wird traditionell großes Gewicht beigemessen. Neben Predigttexten und Andachten sind in der Zeitschrift vor allem Beiträge über das Leben in den Gemeinden der EKR zu finden, aber auch Beiträge zu internationalen Themen. Aufgrund der steigenden Bedeutung Siebenbürgens als Reiseziel für Kulturtouristen und der dadurch gewachsenen internationalen Bekanntheit der Kirchenburgenlandschaft nehmen Texte über Denkmalpflege und den Erhalt des kirchlichen Kulturerbes in den letzten Jahren zunehmend mehr Platz in den Kirchlichen Blättern ein.

Zu den seit 1990 regelmäßig publizierenden Autoren der Kirchlichen Blätter zählen die landeskirchlichen Bischöfe Christoph Klein und Reinhart Guib, die siebenbürgischen Theologen Hans Klein, Paul Philippi, Wolfgang Rehner sen. und Hermann Pitters, Gerhild Rudolf (Schriftleiterin 1999–2012), Beatrice Ungar (Schriftleiterin 2012–2013) und viele andere mehr. Unter den Schriftleitern der Kirchlichen Blätter seit ihrer Gründung waren unter anderem Rudolf Brandsch (siebenbürgisch-sächsischer Politiker in Österreich-Ungarn sowie in Rumänien, in stalinistischer Gefangenschaft 1953 gestorben), Georg A. Schuller (insgesamt 15 Jahre mit Unterbrechungen) und Hermann Binder (erster Chefredakteur nach erneuter Zulassung in den 1970er-Jahren). Seit 2014 leitet Stefan Bichler (Referent für Öffentlichkeitsarbeit der EKR) die Redaktion.

Publikationen (Auszüge) zum Download

Weblinks


Zitation

Stefan Bichler: Kirchliche Blätter. In: Donau-Karpaten-Literatur: Lexikon zur deutschsprachigen Literatur aus Zentral- und Südosteuropa (2019). URL: https://dokalit.ikgs.de/kirchliche-blaetter (Stand: 10.5.2024).

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